#101: Der Betriebsrat erklärt
Shownotes
#101: Der Betriebsrat erklärt
Mit: Maik Esser, Vorsitzender des Betriebsrates West 2 und Josef Czok, stellvertretender Vorsitzender des Betriebsrates West 2
In dieser Episode der „WESTside Stories" spricht Moderatorin Christiane mit Maik Esser und Josef Czok, beide langjährige Betriebsräte des Betriebsrates West 2.
Sie berichten über ihre persönlichen Wege in den Betriebsrat, schildern Herausforderungen und Erfolge und geben Einblicke in typische Anliegen der Mitarbeitenden. Zudem betonen sie die Bedeutung des Betriebsrats für das Betriebsklima und die Mitbestimmung.
Außerdem launchen wir unser neues Spiel „Dies oder Das".
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Die nächste Folge der WESTside Stories erscheint am 11. März 2026.
Gäste: Maik Esser, Josef Czok
Moderation: Christiane Preisen
Redakteurinnen: Jasmin Roussel, Marie Demmer
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Maik Esser: Das Schöne ist, dass du morgens, wenn du ins Büro fährst, gar nicht weißt, was dich erwartet. Es ist aber auch das Schlechte oder das Negative. Es kommen manchmal auch Sachen, da denkst du jetzt so was nicht So hätte ich jetzt nicht gebraucht, aber es macht es halt spannend. Das lohnt sich zu kämpfen.
Josef Czok: Das Unternehmen und die Belegschaft.
Maik Esser: Ich würde mir wünschen, dass die früher zu uns kommen. Wenn so manche Probleme schon total festgefahren sind. Dann kommen sie. Das ist aber dann manchmal auch schon zu spät.
Josef Czok: Nicht alles nur Beruf, Berufung sehen, Das heißt, das muss man aus Überzeugung machen.
Christiane Preisen: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Westside Stories. Ich bin Christiane und freue mich sehr heute auf meine Gäste. Zu Besuch sind Mike Esser und Josef Cook, der Vorsitzende und der stellvertretende Vorsitzende des Betriebsrats West zwei. Hallo, ihr beiden.
Maik Esser: Ja, hallo. Danke für die Einladung.
Josef Czok: Hallo meinerseits, ihr beiden.
Christiane Preisen: Lasst uns doch kurz so einsteigen. Ich habe ja gerade schon eure Namen gesagt und eure Funktionssbezeichnung sozusagen.
Christiane Preisen: Aber schön wäre es, wenn ihr vielleicht noch mal also wenn ihr möchtet, euer Alter sagt Wo wohnt ihr und wie lange seid ihr eigentlich schon bei Rewe?
Maik Esser: Ja, also mein Name ist Maike Esser. Ich bin 48 Jahre alt und bin seit fast 28 Jahren schon bei der REWE. Und ja, ich wohne in Köln, bin im Herzen von Köln groß geworden in Nippes und wohne aber jetzt ganz im Süden von Köln. Lange so fast im Rhein Sieg Kreis schon.
Christiane Preisen: Ah, okay.
Josef Czok: Ja, ich bin 62 Jahre alt und seit 42 Jahren im Unternehmen, bin seit 1981 in Köln und sogar in Deutschland.
Christiane Preisen: Wahnsinn. Machst du die 50 Jahre noch voll?
Josef Czok: Josef Schaffe ich nicht.
Christiane Preisen: Wir haben auf jeden Fall schon zwei Kollegen, die auch super lange im Unternehmen sind. Aber sag doch mal Wieso seid ihr eigentlich damals in Anführungsstrichen Betriebsräte geworden?
Maik Esser: Ja, bei mir war das so 2006 bin ich das erste Mal bei der Wahl angetreten. Ich war vorher in der Kommunalpolitik, in der Jugendorganisation der Partei unterwegs und habe dann aber irgendwie festgestellt Das ist nicht so das.
Maik Esser: Ich wollte was verbessern, aber da war es irgendwie schwierig, weil du auch so viel Fraktionszwänge und sowas hast. Und als Jugendorganisation, da wird man auch von den Älteren in der Partei eher so ein bisschen belächelt. Und irgendwie war dann in dem Jahr auch Betriebsratswahl. Dann habe ich gedacht, du kannst in deinem direkten Umfeld eigentlich dich einbringen und was verbessern. Man verbringt ja auch sehr viel Zeit auf der Arbeit. Deswegen war mir das da so ein Anliegen, dachte ich. Das könnte ich mir vorstellen. Und ja, und so bin ich dann Schritt für Schritt da irgendwie immer tiefer in die Betriebsratsarbeit reingekommen.
Christiane Preisen: Wie war es bei dir?
Josef Czok: Josef Ja, ich bin seit 1990 im Betriebsrat und ja, das war auch eine lustige Geschichte. 89 In der Logistik hier in Efron haben wir so eine kleine Auseinandersetzung mit unseren Vorgesetzten. Haben wir einen Beschwerdebrief geschrieben an den Arbeitgeber oder die Geschäftsleitung. Dann haben wir einen Termin bekommen, haben wir diskutiert und aus der Diskussion kam eine kleine Verhandlung. Wir haben sogar die Prämie für die Mitarbeiter in der Logistik erhöht.
Josef Czok: Na ja, und das war ja dann schon vorprogrammiert, dass wir oder dass ich, da ich ja kandidieren sollte, aus der Belegschaft aus. Und so ist das entstanden bis heute.
Christiane Preisen: Das heißt, als Betriebsrat muss man kandidieren. Das heißt, man kann nicht einfach sagen So, ich bin das jetzt, sondern wie ist so das Prozedere, wenn ihr das mal gerade ganz kurz beschreiben wollt?
Maik Esser: Wir haben im festgeschriebenen Turnus haben ja alle vier Jahre Wahlen, 2026 ist jetzt auch wieder ein Wahljahr und im Vorfeld wird ein Wahlvorstand gegründet vom Gremium und da können sich dann Leute nachher bewerben. Es kommt dann eine Bewerbungsphase, wo die dann antreten wollen für einen Betriebsrat. Ja, also ich komme ursprünglich aus der Zentrale, da war es so, dass du quasi als Einzelkandidat angetreten bist und auch einzeln quasi gewählt wurdest. Hier ist es in der Regel, dass es eine Listenwahl ist und dann schließen sich im Vorfeld halt Personen zusammen, die sagen okay, wir können uns untereinander gut vorstellen, dass wir das zusammen gut gewuppt kriegen und treten dann als Liste an.
Maik Esser: Wir haben natürlich, da wir hier so viele Unternehmen haben, zum Beispiel eine Logistikliste, eine Verwaltungsliste und so und so schließen sich die Leute dann zusammen und treten dann zu der Wahl an.
Christiane Preisen: Ja, und das sind ja nicht nur ihr beide, sondern Josef. Es waren relativ viele Mitglieder im Betriebsrat, oder?
Josef Czok: Ja, wir sind jetzt zurzeit 37 Mitglieder. Das heißt ja, das wird ja vom Betriebsverfassungsgesetz so vorgeschrieben auf bestimmte Zahl bestimmter Anzahl der Mitglieder. Das heißt, wir sind bei circa 10.000 Mitarbeiter, dann bekommen wir ein Gremium von 37 Personen.
Christiane Preisen: Ja, und um das noch mal einzuordnen Du hast jetzt gesagt, 10.000 Mitarbeitende. Wir sprechen ja immer darüber, dass Rewe West so roundabout 25.000 Mitarbeitende hat. Das sind aber inklusive Märkte. Aber für die Märkte seid ihr als Betriebsräte nicht zuständig, sondern ihr seid ja Betriebsrat. S2 Genau. Und für wen genau seid ihr jetzt die Betriebsräte?
Maik Esser: Also wir sind ja West zwei. Und da haben wir hier den Standort. Dann haben wir die Logistik Standorte in der Region West.
Maik Esser: Also das von Koblenz bis Essen sage ich immer so um Dreh rum und dann an den Verwaltungsstandorten, da haben wir hier in Köln noch die Stolberger Straße. Da sitzen sehr viele Leute. Wir vertreten die Leute der Digital, die sitzen in Porz und in der Schanzenstraße. Ja, und so kommen wir Stück für Stück auf diese 10.000 Leute, die wir betreuen.
Christiane Preisen: Da sind ja ganz schön viele. Tatsächlich? Josef Wie kann ich mir denn so einen typischen Tag als Betriebsrat vorstellen? Viele sagen ja immer so Ja, machst du eigentlich so in deinem Beruf? Und sind ganz interessiert daran, was da so passiert. Magst du das mal beschreiben?
Josef Czok: Naja, jetzt wie du fragst, würde ich ja sagen, wie viele das auch sagen, die trinken ja nur Kaffee.
Christiane Preisen: Das habe ich nicht gesagt.
Maik Esser: Aber es gibt.
Josef Czok: So ein Vorurteil. Das stimmt ja. Es ist ja nicht ein Tag vergleichbar mit allen anderen. Das heißt ja auch, die Funktionen sind wichtig. Zum Beispiel Vorsitz, Stellvertretung. Wir sind auch Vertreter im Gesamt Betriebsrat.
Josef Czok: Da sind ja schon im Monat so drei Tage die großen Sitzungen. Dann gibt es ja auch die Sitzungen, die vor Ort stattfinden, dann wöchentlich Personal, Ausschusssitzungen. Das heißt, wir verbringen schon viele Sachen, das, was uns ja auch gesetzlich vorgeschrieben wird, die ganze Prozedur, auch die Bürokratie. Wir sind auch so ein bisschen bürokratisch unterwegs. Ja, und dann gibt es ja dann auch die Betreuung der Mitarbeiter, aber auch sehr viele Termine. Wir haben ja fixe mit verschiedensten Personalleiter, weil wir ja mehrere Gesellschaften betreuen, Dann auch mit Führungskräften. Wenn was Neues eingeführt wird. Das heißt, es gibt sehr viele Termine. Das heißt manchmal oder meistens der Tag acht Stunden nicht ausreicht.
Maik Esser: Und so einen typischen Tag gibt es halt nicht. Also ich werde immer wieder auch gefragt, was du eben gesagt hast Was machst du eigentlich? Und was ist so toll an der Arbeit? Und da sage ich immer Ja, das Schöne ist eigentlich, dass du morgens, wenn du ins Büro fährst, gar nicht weißt, was dich erwartet.
Maik Esser: Es ist aber auch das Schlechte oder das Negative. Also es kommen manchmal auch Sachen, da denkst du jetzt so was nicht so hätte ich jetzt nicht gebraucht, aber es macht es halt spannend. Also das ist immer wieder herausfordernd aufs Neue.
Christiane Preisen: Und es gibt ja auch in der Betriebsratsarbeit noch den Unterschied freigestellte Betriebsräte und Betriebsrätinnen, Betriebsrätinnen und nicht Freigestellte. Was ist da noch mal der Unterschied?
Maik Esser: Ja gut, die nicht Freigestellten, die gehen ihrer normalen Tätigkeit nach und kommen dann zu Sitzungen, also zur Betriebsratssitzung auf jeden Fall zusammen. Und wenn Sie in einem Personalausschuss oder Betriebsausschuss gewählt worden sind, dann sind die auch da. Und die Freigestellten, die haben nur die Betriebsratsarbeit noch. Also die sind von ihrem normalen Job freigestellt. Was heißt das?
Josef Czok: Und das wird nach jeder Wahl wieder nach diesen. Wie schon gesagt, Listen wird dann ja ausgerechnet, welche Liste wie viele Plätze bekommen und dann auch die Freigestellten werden dann auch bestimmt. Das heißt jede vier Jahre, wenn sie auch neu bestimmt oder bestätigt.
Christiane Preisen: Was sind denn so typische Anliegen, mit denen Mitarbeitende auf euch zukommen? Also mit was kann ich mich jetzt zum Beispiel an euch wenden?
Maik Esser: Ja, das ist sehr vielfältig. Also Probleme jeglicher Art, die irgendwie jetzt im Arbeitsverhältnis, irgendwie im Arbeitskontext sind, Sei es, man ist irgendwie unzufrieden mit seinem Job, hat Probleme mit seinem Chef. Das sind so viele Sachen, die kommen, oder Wir haben ja das große Thema im Moment auch mit mobiler Arbeit, wer wie oft reinkommen muss, weil wir da ja eine Betriebsvereinbarung haben, wo drinsteht, da muss man gucken, was die optimale Anzahl ist. Und da gibt es natürlich viele Reibungspunkte. Und da kommen wir dann ins Spiel, wenn die Mitarbeiter zu uns kommen. Wobei das auch oft ist. Das habe ich jetzt in den ganzen Jahren Betriebsratsarbeit festgestellt, dass die Leute oft zu spät kommen. Also ich würde mir wünschen, dass die früher zu uns kommen. Wenn so manche Probleme schon total festgefahren sind, dann kommen sie. Das ist aber dann manchmal auch schon zu spät.
Josef Czok: Und oft ist es ja auch so, dass die praktisch ein Kummerkasten sind. Die wollen mit uns reden. Das dauert dann teilweise auch länger. Und aber trotzdem Wir sollen nichts unternehmen, die wollen so eine Beratung, oder Da gibt es ja auch.
Christiane Preisen: Verstehe die dann sagen halt nicht weiter sagen, sondern wir wollen einfach nur mal über ein Thema sprechen. Ja okay, verstehe. Warum ist es aus deiner Sicht wichtig, dass es einen Betriebsrat in dem Unternehmen gibt?
Josef Czok: Das ist ja auch bewiesen durch verschiedene Studien, dass ein Betriebsrat im Unternehmen auch eine positive Wirkung auf die Belegschaft hat. Praktisch ist ja, dass ein Verbindungsglied zwischen Arbeitgeber oder Unternehmen und Belegschaft hat zu viele Faktoren, die dazu führen, dass das eigentlich positiv ist.
Christiane Preisen: So, wir kommen jetzt zu unserem Spiel, das heißt dies oder das. Ganz einfache Regeln. Ich stelle euch zwei Optionen zur Auswahl. Einfach gar nicht lange nachdenken, sondern für eins entscheiden. Vielleicht noch eine Rechtfertigung, wenn es sein muss. Danach wollen wir einfach mal loslegen.
Maik Esser: Ja, gerne.
Christiane Preisen: Okay, Also dies oder das. Großeinkauf Oder mehrmals die Woche einkaufen.
Maik Esser: Mehrmals die Woche Bei mir genauso.
Josef Czok: Mehrfach.
Maik Esser: Großeinkauf ist so anstrengend irgendwie.
Christiane Preisen: Wir hatten eben schon mal kurz drüber gesprochen beim Betriebsrat eher Kaffee oder Tee Kaffee?
Maik Esser: Bei mir ist beides gar nicht so Thema. Bin ich immer mit krank, wenn wenn ich ein bisschen erkältet bin? Sagte meine Frau wird. Ich sag so krank bin ich nicht. Und Kaffee, wenn selten mit sehr viel Milch. Also eher Latte Macchiato.
Christiane Preisen: Also eher Milch mit einem Schuss Kaffee. Okay, jetzt schon die erste kritische Frage. Nutella. Ihr könnt es euch wahrscheinlich denken. Mit oder ohne Butter.
Josef Czok: Wenn überhaupt, dann ohne Butter.
Maik Esser: Ja, ich bin ganz klar die Mit Butter Fraktion.
Christiane Preisen: Okay, ich.
Maik Esser: Stoße auf viel Unverständnis, weil diese Frage ja irgendwie wirklich die Nation spaltet. Aber bei mir muss da was drunter.
Christiane Preisen: Bei mir ist es sogar beides. Wenn überhaupt, dann aber mit Butter. Tatsächlich? Ja, eher einen Podcast hören oder ein Buch lesen.
Maik Esser: Podcasts hören ja bei mir mittlerweile auch, wobei ich auch gerne mal zwischendurch ein Buch lesen würde, aber meistens nur im Urlaub.
Maik Esser: Dazu kommen aber Podcasts, so im Auto während der Fahrt, das kann man ja immer gut einstreuen deswegen.
Christiane Preisen: Okay, die nächste kritische Frage. Jetzt sind wir bei Pizza mit Ananas oder eher ohne?
Maik Esser: Ganz klar ohne.
Josef Czok: Für mich auch ohne.
Christiane Preisen: Geht gar nicht. Okay, dann sind wir beim Frühstück. Zuerst die Cornflakes oder zuerst die Milch in die Schale. Schüssel.
Maik Esser: Bei mir sind es jetzt zwar keine Cornflakes Haferflocken, aber erst die Haferflocken in die Schüssel und dann die Milch obendrauf.
Josef Czok: Für mich Cornflakes kommt gar nicht in Frage. Dann auch die Haferflocken und das ist mir eigentlich egal wie.
Christiane Preisen: Ja, für manche ist das wirklich eine kritische Entscheidung.
Josef Czok: Was zuerst in der Hand ist.
Christiane Preisen: Kauft ihr mit Einkaufszettel ein oder spontan.
Josef Czok: Der Einkaufszettel ist eigentlich im Kopf. Dass es aber dann nur 10 % dessen, was man dann noch mitnimmt.
Maik Esser: Meistens eher spontan. Aber ich habe es jetzt gerade wieder, Wenn man Gäste zu Hause hat oder so einen bestimmten Plan hat, was gemacht werden soll, dann brauche ich schon einen Zettel, sonst habe ich die Hälfte wieder vergessen.
Christiane Preisen: Auto oder Öffis?
Maik Esser: Ganz klar bei mir.
Christiane Preisen: Okay.
Maik Esser: Öffis habe ich vor ein paar Tagen das erste Mal nach langer Zeit wieder gemacht und es reicht jetzt wieder für ein paar Jahre, glaube ich.
Josef Czok: Ja, leider. Auto Wie lange die Bahn nicht funktioniert?
Christiane Preisen: Ja. Noch mal zum Einkaufen Eher selbst scannen oder die klassische Kasse selbst kennen.
Maik Esser: Das macht so viel Spaß.
Josef Czok: Ich bin ehrlich, Ich habe noch nie selbst gescannt. Ich möchte noch an der Kasse stehen.
Christiane Preisen: Okay, wenn ihr Obst und Gemüse einkauft, muss es perfekt sein. Oder darf es auch krummes Obst und Gemüse sein?
Josef Czok: Kann ja auch krumm sein, aber frisch muss es sein.
Maik Esser: Genau. Sehe ich genauso.
Christiane Preisen: Und dann eher selbst kochen oder ins Restaurant?
Maik Esser: Lieber Restaurant.
Josef Czok: Ich will da selbst kochen.
Christiane Preisen: Und die letzte Frage Seid ihr echte Athleten oder eher Couchpotatoes?
Josef Czok: Schon wieder Leider die Couch.
Maik Esser: Ja, auch mehr die Couch. Okay.
Christiane Preisen: Wir haben ja eben schon gehört, dass ihr beide schon echt lange Betriebsräte seid. Gibt es aus dieser Zeit irgendwie eine Geschichte, die euch so besonders im Kopf ist oder besonders am Herzen liegt?
Maik Esser: Ja, da gibt es natürlich einige Geschichten.
Maik Esser: Was mir immer da spontan einfällt, ist Da ist mein Kollege zu mir gekommen, der hatte wirklich massive Probleme mit der Führungskraft und das war halt auch sehr spezialisiert. Der Bereich, wo er war. Und es war eigentlich klar, das geht so nicht mehr weiter. Also einer muss gehen, und der Kollege hing aber sehr am Unternehmen und war auch schon über 20 Jahre da. Und da habe ich ihm halt geraten. Diesen Schritt zu gehen ist zwar traurig. Ich finde es auch traurig, wenn ein Kollege, der auch engagiert war und mit Herz am Unternehmen hängt, geht. Das hat noch lange gedauert, aber dann irgendwann war es halt diese unvermeidliche Lösung. Und was das Schöne dann für mich war, der hat sich dann immer wieder nachher noch gemeldet und sagte Das war das Beste, was mir je passiert ist oder was mir passieren konnte. Der ist in einem neuen Unternehmen untergekommen und war da glücklich. Und eigentlich hätte man das schon vorher vielleicht diesen Schritt machen können. Er hat sich lange gequält, aber am Ende ist es halt gut ausgegangen, auch wenn es halt außerhalb des Unternehmens war.
Maik Esser: Aber für alle Seiten war es dann so die beste Lösung. Und das sind so Dinge. Wir kriegen als Betriebsräte nicht viel positives Feedback, sage ich mal immer, aber wenn so was dann kommt, also das ist jetzt bestimmt auch schon zehn Jahre her, da denke ich heute noch dran, weil das wertschätzend für beide Seiten war. Wie wir dann noch darüber gesprochen haben. Das sind so Sachen, die nimmt man mit und da ist man auch dann froh, dass man diesen Job macht.
Josef Czok: Ja, ich habe auch so eine persönliche Geschichte. Da hatten wir auch vor vielen, vielen Jahren einen Mitarbeiter, der dann ja private Probleme bekommen hat, ist dann in die Sucht gefallen und kam auch nicht mehr zur Arbeit unentschuldigt. Als Betriebsrat hat man versucht, den aufzusuchen und das war ja auch die richtige Entscheidung. Wir haben den aufgefunden. Der war ja im Zustande dann wirklich noch ins Krankenhaus musste. Dann habe ich den auch begleitet, auch in der Suchtklinik. Und das war wirklich das zum Erfolg, dass der dann auch trocken geworden ist und sogar sich dann sozial engagiert hat.
Josef Czok: Und das sind ja so Dinge, die wirklich dann einen glücklich machen, weil gerade der sucht, Das ist wirklich schwierig, die Menschen dann wieder da rauszuholen. Und das hat mich dann so geprägt. Diesen Fall vergisst man nicht. Es gab auch viele andere Geschichten, die dann einen hier bei der Rewe geprägt haben. Das heißt 2006. Man weiß ja, was damals passiert ist die Strukturreform mit unserem Vorstand Dr. Aigner. Das hat dann auch mich geprägt, weil da wirklich Entscheidungen getroffen sind oder umgesetzt werden sollten. Was wir dann durch viele, viele Termine und Versuche, das zu beenden, auch hinkriegen. Mit Unterstützung, Betriebsrat, Aufsichtsrat. Und das prägt auch dann wieder, das dann auch manchmal da ganz oben an der Führung ein Schaden entstehen kann. Was dann passiert, das prägt auch einen viel. Das lohnt sich zu kämpfen für das Unternehmen und für die Belegschaft.
Christiane Preisen: Das heißt, es sind auch oft Themen, die halt schon auch tief gehen können.
Maik Esser: Absolut, absolut. Also als Betriebsrat kommen wir wirklich mit allen Themen in Berührung im Laufe der Zeit.
Maik Esser: Und Gutes wie Schlechtes. Es ist schon eine Herausforderung, muss man sagen. Auch, dass man. Man will ja überall helfen, da auch. Aber man muss auch gucken, dass man da nicht. Sich selber damit nicht so belastet. Also es ist schon. Man nimmt vieles mit nach Hause. Von dem, was wir so tagtäglich erleben.
Christiane Preisen: Du hattest eben gesagt, so super viel positive Rückmeldungen bekommt ihr als Betriebsräte eigentlich gar nicht. Du hattest von dem Kollegen erzählt, der halt immer noch Kontakt gehalten hat, zum Beispiel. Jetzt gerade war es ja auch eher so was ganz Tiefgehendes. Gibt es eigentlich auch so kuriose oder irgendwie lustige Momente, an die ihr euch gerne erinnert?
Maik Esser: Hast du was? Also ich habe jetzt nichts Spezielles. Wir haben immer mal wieder natürlich ein paar lustige, kuriose Dinge, aber ich habe so spontan fällt mir jetzt keine ein.
Josef Czok: Ich habe eine lustige Geschichte auch noch hier aus Erfurt. Das waren Anfang der 90er Jahre. Dann hatten wir als Betriebsrat damals die Idee, ein Betriebskindergarten zu gründen, haben wir das ja auch auf einer Betriebsversammlung vorgeschlagen.
Josef Czok: Da gab es dann vom Arbeitgeber dann ja eigentlich so einen Auftritt, der sagte Ja, dann seht ihr, wie weit diese Geschichte gekommen ist mit der DDR damals. Und deswegen. Heute kann man drüber lachen. Aber man sieht ja, dass man viel bewegen kann, wenn man da dranbleibt. Das heißt ja, wir haben dann irgendwann erreicht, dass wir so ein Eltern Kind Büro bekommen haben. Dann fing es mit Beruf und Familie und auch das, was zurzeit auch Thema ist mobiles Arbeiten mit langen, langen Diskussionen, dass wir dann auch wieder zum Ziel gekommen sind. Manchmal. Nichts ist unmöglich, sage ich immer.
Christiane Preisen: Ja, das stimmt. Und manche Themen müssen auch einfach reifen. Da merkt man schon, wenn sie dann zu einem anderen Zeitpunkt angesprochen werden, dann ist es halt was ganz anderes in den Neunzigern.
Josef Czok: Man sagt ja.
Christiane Preisen: Immer.
Josef Czok: Dass das Kind muss eingeschult werden, das heißt, manchmal dauert.
Christiane Preisen: Es. Ja, das stimmt.
Maik Esser: Aber das können wir wirklich aus der Erfahrung sagen. Das ist tatsächlich definitiv so und manchmal muss man halt immer wieder bohren, bohren, bohren und irgendwann hat man dann einen Durchbruch.
Christiane Preisen: Ja. Gab es für euch einen Moment in eurem Leben Berufsleben, an den ihr euch erinnert? Wo ihr Halt gesagt habt Okay, und jetzt werde ich Betriebsrat. Du hast es eben schon so ein bisschen erzählt, Du warst eher in der Kommunalpolitik und konntest dann nicht so wirklich viel bewegen, wie du es gerne wolltest. Gab es so einen ähnlichen Moment bei dir auch?
Josef Czok: Josef Ja, das war ich vorher schon gesagt habe, dass die Mitarbeiter mich dann ja praktisch schon fast gedrängt haben zu kandidieren. Und dass 1990 ist das auch passiert.
Christiane Preisen: Ja, okay, okay. Also andere haben es quasi entschieden und dann bist aber dabei geblieben. Ja, viele Jahre.
Josef Czok: Ja, ununterbrochen. Bis heute.
Christiane Preisen: Wenn jetzt jemand bei uns hier zuhört und sagt, die beiden sind total nett, das klingt irgendwie ganz spannend. Ich möchte mich auch gerne für meine Kolleginnen und Kollegen engagieren. Welche Eigenschaften muss denn eine Person mitbringen, die gerne im Betriebsrat sein möchte?
Maik Esser: Ja, ich denke, man muss auf jeden Fall so ein bisschen idealistisch unterwegs sein, motiviert sein.
Maik Esser: Was ganz wichtig ist Teamfähigkeit. Man muss ja kompromissbereit auch sein. Das ist, glaube ich, ein ganz wichtiger Aspekt. Und ja, so ein bisschen auch den Blick für das große Ganze zu haben. Also es ist manchmal so, dass man nur seinen Bereich sieht im Unternehmen und da irgendwas tut. Aber man muss auch sehen, dass wir ja viel, viel größer sind als die eigene Abteilung. Und dann muss man auch manchmal Kompromisse wiederum eingehen, um was zu bewirken. Das sind so die Eigenschaften, da sollte man mitgehen können. Ja, ich denke, das ist so mit das Wichtigste.
Josef Czok: Denke ich auch auf den Punkt gebracht Ja und wirklich praktisch nicht als Beruf Berufung sehen. Das heißt, das muss man aus Überzeugung machen.
Christiane Preisen: Wunderbar. Gibt es zum Abschluss noch irgendetwas, was ihr den Zuhörerinnen, die heute die Folge hören, ja, was ihr denen zu diesem Thema mit auf den Weg geben möchtet?
Maik Esser: Ja, also ganz wichtig ist, sich bewusst zu machen, dass wir einen Betriebsrat haben, weil das ist ich glaube, wir laufen oft auch unter dem Schirm irgendwie so und wie gesagt, so richtig wird man dann aufmerksam, wenn man Probleme hat.
Maik Esser: Aber wir sind nicht nur für Probleme da, wir können auch überall unterstützen und ein offenes Ohr haben, wenn auch einer mal reden will. Und ganz wichtig Dieses Jahr ist wieder Betriebsratswahl 2026. Da wo alle vier Jahre gewählt wird, sind wir wieder in dem Rhythmus und dass man zur Wahl geht, also dass man seine Stimme abgibt, dass man sich mit allen auseinandersetzt, die antreten darf und sich das anschaut und guckt, Wo fühlt man sich am besten vertreten, weil sonst ist die Stimme verschenkt. Es ist immer gut, wenn wir eine gute Wahlbeteiligung haben Und dann haben wir auch ganz anderes Gewicht als Betriebsrat, wenn wir irgendwo gegenüber dem Arbeitgeber auftreten.
Josef Czok: Und auf jeden Fall uns jetzt nicht nur die Wahl und dann anschließend ist nichts. Das heißt, wir sind ja immer gewillt, dass Ideen kommen, Leute sich engagieren. Das ist Unterschied zu Politik. Dann wird gewählt und dann die Politik regiert. Wir sind immer offen für alles. Und wir können jeden Tag mit Ideen hier gefüttert werden, dass wir. Wir sind auch nicht allwissend, Das heißt, wir sind auch angewiesen an die Belegschaft, was die uns dann sagt.
Maik Esser: Wir sind nicht allwissend und können nicht überall sein. Deswegen müssen wir auch Rückmeldungen kriegen oder Meldungen. Wenn er sagt Wir haben eine tolle Idee, irgendwie können wir nicht da mal gucken, ob wir so was umsetzen können. Zum Beispiel. Also da, wie gesagt, da sind wir immer offen. Und ja, gerne melden dann.
Christiane Preisen: Okay. Also noch mal zusammenfassend gerne melden, Auf jeden Fall zur Wahl gehen. Das ist eure Interessenvertretung.
Maik Esser: Genau.
Christiane Preisen: Genau.
Maik Esser: Und wer Lust hat, kann ja jetzt mit ein bisschen Vorlauf sich vorbereiten für 2030 und dann vielleicht antreten und auch ins Gremium sich wählen lassen.
Christiane Preisen: Auf jeden Fall. Das ist schon ein super Schlusswort. Ich habe noch eine allerletzte Frage für euch. Die ist ja auch neu in unserer über hundertste Folge. Wir geben allen unseren Gästen die Möglichkeit, einen Gast vorzuschlagen oder vorzuschlagen, welches Thema ihr hören wollt in einem der nächsten Folgen. Habt ihr da was?
Maik Esser: Ja, das ist so überraschend. Das.
Josef Czok: Ist auch schwierig.
Maik Esser: Ja. Also, es sind ja schon über 100 Folgen.
Maik Esser: Ich habe die Vielfalt gesehen, die da schon drin steckte und war ja intern wie extern. Teilweise. Wir haben so ein großes Unternehmen und so viele interessante Bereiche, dass man. Ich habe jetzt keinen speziellen im Auge, aber dass man sich da mal welche aussucht, die nicht so die Sichtbarkeit vielleicht haben. aber total interessant sind. Ich habe nur jetzt nichts Spezielles. Okay.
Josef Czok: Vielleicht können die Zuhörer ein paar Vorschläge machen. Wäre auch nicht schlecht.
Christiane Preisen: Das wäre auch nicht schlecht. Also sehr diplomatische Aussagen.
Maik Esser: Schreibt es in die Kommentare.
Christiane Preisen: Schreibt es in die Kommentare. Meldet euch gerne, wenn ihr Gäste Vorschläge habt oder Themenvorschläge. Ja, und damit bedanke ich mich total bei euch beiden. Schön, dass ihr meine Gäste wart heute.
Maik Esser: Ja, wir haben auch zu danken.
Josef Czok: Vielen Dank. Hat Freude gemacht.
Multiple Speakers: Ja.
Christiane Preisen: Ja. Und wir bedanken uns auch ganz herzlich bei euch, Liebe Zuhörerinnen. Haben euch die Westside Stories gefallen? Dann abonniert uns, folgt uns, klickt aufs Glöckchen, bewertet uns und teilt uns auf Social Media.
Christiane Preisen: Ihr findet uns überall da, wo es Podcasts gibt. Wenn ihr Fragen, Anregungen, Themen oder Gäste Vorschläge habt, schreibt einfach eine Email an podcastwestgroup.com. Wir hören uns wieder in zwei Wochen. Wir freuen uns drauf. Bis dahin eine gute Zeit und bleibt gesund und munter.
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